Das Ende der Frau

Andisheh Karami Die Frau, nackt Der Wind, unruhig Kein ruhiger Wind, kein geduldiger Passant So unruhig, dass er der Sonne Unschuld vertreibt Die Frau streichelt Da ist kein Geheimnis Keine Spur einer Hand Sand rieselt Die Frau, nackt im Wind Zwischen Verlangen und Bangen Rastlos, findet keine Ruhe „Es gibt kein Wort.“ Und die Frau hört: Es gibt kein Geheimnis. Die Frau, nackt im Wind und […]

Lass mich immer frei

Andisheh Karami  Man hatte uns beigebracht Den geliebten Menschen Seinen Körper Seinen Geist Seine Augenblicke In Besitz zu nehmen. Man hatte uns beigebracht Gefangene zu werden Als Frauen sehnten wir die Gefangenschaft herbei Als Frauen waren wir Körper, nichts weiter Denken traute man uns nicht zu. Ohne den Mann und seine Arme Waren wir zügellos. So wie sie uns das erste Wort beibrachten Trichterten sie uns […]

Walzer auf dem Weg nach Compostella

Andisheh Karami Der Tag beginnt mit einem Absturz Und die Nacht mit deinen Armen Und ich, gelassen im Fall Und noch gelassener in dir In dir und einem Symphonie-Orchester abends Schwinge, wie ein melancholischer Ton, frei Auf deiner Finger Bogen Hin und her Wie Opernklänge, Jahrtausende alt Hin, über die Zeit hinaus Her, über deinen Körper hinaus Und in einer weiteren Nacht Wiegt der Walzer deiner Arme Mich […]

Menschen ohne Lächeln

Andisheh Karami Lass sie sich nicht erheben Die Menschen ohne Lächeln Die Menschen ohne Brot Die, anfangs aufrecht Mit geballten Fäusten Reihenweise umfallen Menschen ohne Lächeln, wache Menschen Die den Tod Süßer finden Als Schlaf Als brotlose Hände Auf dem sehnlichen Blick ihrer Kinder Lass sie sich nicht erheben Die Menschen ohne Lächeln Hier ist der Himmel abends Rot und mit jedem Schuss Wird ein Stern blutig Hier […]

Es fehlt nicht viel bis 52 Hertz

Andisheh Karami Leer sind wir bisweilen, über geraume Augenblicke hin.Leer sind wir, die Zeit ist fortgeschritten. Die Zeit ist knapp.Wir sind unbekannte Wesen, durchschaubar, passiv, schwach.Angst kommt auf, anfangs, und geht durch unglückliche Umstände vorbei.Geht nicht vorbei.Atemnot im August und Haut schlaff, gedehnt, klebrig vor Feuchte und Salz.Geht nicht vorbei.Das Haus geht nicht an der […]

Das Vergessen warnt

Andisheh Karami Nach dem Ende kann man sehen Und wir sahen nie, wie die Nacht anbrachWir sahen ein Fenster nur Und Nebeldunst, Der unablässig sprach:Gib Acht! Du gerätst in Vergessenheit.Und jenes Schweigen, jenes Hiersein, jene Stille Jenes begierige sich Winden. – Vergisst man mich mit dem Untergang des letzten Sterns? Wir waren mittendrin und sahen nicht Ich sah nicht Den Kreis Dessen […]

A part of third chapter of The Poem Sol

We pollute all innocent whitenesswith the shameful sin of words. In me, there is nothingexcept wild primitivenessand wandering and slippery wordsoverflowing from my ink-stained fingers. Is there a differencebetween confession and sinand isn’t metaphor another form of reality? And I,this woman who has remained wildly primitiveafter the first word,the first confession,become the eternal sinner of every […]

The End of Woman

The woman, bare in the feast of wind, mirror, and desertputs her hand upon herself, upon woman, upon the night;there is no secret, no word. They have entrusted the wordless woman to waters and dreams. The woman knows,the wordless woman is the exiled woman. The woman, bare, hand on the mirror, on the sand, on […]