Andisheh Karami
Leer sind wir bisweilen, über geraume Augenblicke hin.
Leer sind wir, die Zeit ist fortgeschritten. Die Zeit ist knapp.
Wir sind unbekannte Wesen, durchschaubar, passiv, schwach.
Angst kommt auf, anfangs, und geht durch unglückliche Umstände vorbei.
Geht nicht vorbei.
Atemnot im August und Haut schlaff, gedehnt, klebrig vor Feuchte und Salz.
Geht nicht vorbei.
Das Haus geht nicht an der Arbeit und die Arbeit nicht am Haus, nicht an der Straße, nicht am Sommer vorbei.
Geht an der Fabrik, am Schlaf
Nicht vorbei.
Und bleibt dann permanent.
Und dann bleibt der Winter des Vorjahrs dauerhaft bis zum 10. August und zum 4. September
Seit Herbst ist er geblieben, unverändert
Seit November, seit Januar, seit dem Flugzeug
Und dann bleibt er, permanent
752, vom Himmel ausgestellt am 8. Januar 2020
Wir sind leer, leerer, schwerer
Angst kommt nicht auf.
Angstleer ängstigt sie nicht.
Unsere Ohren, leer, schwer, gefühllos und taub.
Sie geht nicht vorbei
Ein Mann in den mittleren Jahren geht durch die Straße,
Eine Stimme, leer, schwer, kippt vom Dach aus einem vierten Stock aufs Pflaster, weiß
Hungrig sind wir, meine Tochter, meine Frau, wir haben Hunger, wir, ich
Leer ist geräuschvoll, mit Stimme erfüllt
Unsere Ohren leer, schwer, voller noch mit Juni, Mai
Mittleren Alters geht ein Mann durch die Straße
Die Stimme leer und hungrig
Geht an Mauern, an Wänden, Dächern, Treppen und Fenstern nicht vorbei.
Es fehlt nicht viel bis leer, bis 52.