Andisheh Karami
Die Frau, nackt
Der Wind, unruhig
Kein ruhiger Wind, kein geduldiger Passant
So unruhig, dass er der Sonne Unschuld vertreibt
Die Frau streichelt
Da ist kein Geheimnis
Keine Spur einer Hand
Sand rieselt
Die Frau, nackt im Wind
Zwischen Verlangen und Bangen
Rastlos, findet keine Ruhe
„Es gibt kein Wort.“
Und die Frau hört: Es gibt kein Geheimnis.
Die Frau, nackt im Wind und im Spiegel
Streichelt den Körper, die Frau
Da ist kein Fest im Reich der Nacht
Mit den Geheimnissen der Frau endet auch das Wort
Die Frau, nackt im Fest von Wind, Spiegel und Wildnis
Berührt den Leib, die Frau, die Nacht
Kein Geheimnis, kein Laut
Man hat die Frau ohne Geheimnis den Wassern, dem Schlaf überlassen
Die Frau weiß
Eine geheimnislose ist eine verstoßene Frau.
Die Frau, nackt, Spiegel, Sand, Wind berührend
Die Verstoßene
Ist das Ende des Mysteriums, das Ende des Worts
Ein leerer Spiegel
Der Nacht nahmen sie ihr Wesen
Dem Körper das Fest
Dem offenen Gewand das Verlangen,
Und der Frau die Schönheit.
Die Frau, unschön, bloß, verstoßen, geheimnislos
Streichelt die Nacht, das Verlangen, das Bangen.